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Prof. Paul Yule

Eine Leidenschaft für die arabische Archäologie


Aus der spärlichen, verlockenden Literatur, die ich bereits als Student an der Universität von Minnesota hatte, war ich an der Archäologie von Arabien brennend interessiert. Aber aus verschiedenen Gründen würde ich lange auf diesen Wunsch warten müssen, um daraus Realität zu werden. Während eines Aufenthaltes beim Deutschen Institut für Archäologie in Bonn traf ich Gerd Weisgerber, einen charismatischen und einfallsreichen Bergbauarchäologen des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum. Es folgte eine lange und fruchtbare Freundschaft, beginnend mit einer fünfjährigen Zeit als Volontär für das Museum. Weisgerber brauchte einen Metallspezialisten wie mich für die Analyse eines Depotfundes von fast 600 Metallfunden aus einem Schatz, der um 800 v. Chr. In einem Grabmal des 3. Jahrtausends v. Chr. An einem Ort namens ʿIbrī/Selme deponiert wurde. Eine Katalogstudie eines Metallhortes entwickelte sich zu einem fünfjährigen Ausgrabungsprojekt auf dem Gelände von Samad al-Shan im Mitteloman - das Thema meiner Habilitation, die an der Universität Heidelberg erteilt wurde. Während die überwiegende Mehrheit der Archäologenkollegen im Südosten Arabiens zeitweilig zu den entfernten bronzezeitlichen Kulturen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. tendiert, faszinierte mich die späte Eisenzeit bis zur Ankunft des Islams im Jahre 632 n. Chr. Unser veröffentlichter Ausgrabungsbericht von Samad al-Shan zeigte, dass selbst nach der Ausgrabung und Analyse von fast 400 Gräbern nur wenig über die Vorgeschichte des Oman verstanden wurde. Die am wenigsten geschriebene Periode in Südostarabien ist keineswegs die am wenigsten interessante.

Von 1998 bis 2010 verlagerte ich meinen Forschungsschwerpunkt auf die alte befestigte Ḥimyarite Hauptstadt Ẓafār im jemenitischen nudschud (Hochland), die eine Perspektive auf den späten Vorislam von der anderen, bekannteren Seite Südarabiens ermöglichte. Diese große, stark zerstörte Fundstätte beleuchtete die Jahrhunderte kurz vor dem Aufkommen des Islam auf eine ganz andere Weise als Samad: Die antike Bevölkerung war viel dichter und die schriftlichen Quellen waren deutlich artikulierter als die für Oman. Ẓafār wurde mein zweites Zuhause, bis der Krieg dort die gesamte Region destabilisierte. Zeit und kollegiale Kontakte ermöglichten mir ein tiefes Interesse an der Interaktion zwischen Archäologie und arabischer Sprache, ihren Wurzeln und ihren Sprechern. Seit mehr als einem Jahrzehnt versuche ich, die Disziplinen der semitischen Linguistik mit der Archäologie zu verbinden.

Als Feldarchäologe fühle ich mich intensiv in der Vermittlung meiner Dokumentation und habe so viel wie möglich kostenlos in Internetforen platziert. Dazu gehören die Open-Access-Archive für Fotos (in heidICON), Daten (in heiDATA) und ganze veröffentlichte Texte (PropylaeumDOK) der Heidelberger Universitätsbibliothek. Open-Access-Veröffentlichung im Netz war ein Mittel, um meine Publikationen so schnell wie möglich für die Leser im Gastland und im Westen herauszubringen und den Engpass der konventionellen Veröffentlichung zu überwinden.